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Erst analysieren, dann kommunizieren: So entsteht eine Kommunikationsstrategie für Praxen

  • 10. Aug.
  • 7 Min. Lesezeit
Grafik mit der Überschrift „WER LIEFERT DIE ANTWORTEN?“ in grossen Buchstaben. Darunter ist eine Nahaufnahme von Händen auf einer Laptop-Tastatur zu sehen. Über dem Bild liegt eine stilisierte Suchleiste mit dem Begriff „Gesundheitstipps“ und einem Lupensymbol. Das Motiv symbolisiert die Online-Suche nach Gesundheitsinformationen.

Eine Praxis bietet viele Leistungen an. Hausarztmedizin, Check-ups, Langzeitbetreuung, Diagnostik, Reisemedizin, Prävention, Infusionen oder Ernährungsberatung. Je nach Fachgebiet kommt so einiges zusammen.


Doch welche davon sollten auf der Website, bei Google, im Newsletter oder auf Social Media besonders sichtbar werden?

Alle? Nur 1 oder 2? Und welche?


Diese Entscheidung sollte weder spontan fallen noch davon abhängen, welche Leistung gerade neu oder besonders spannend ist. Entscheidend sind Faktoren wie z.B. Nutzen für Patient:innen, wirtschaftliche Bedeutung, oder die Nachfrage.


Erst wenn geklärt ist, welche Leistungen ins Fokus rücken, beginnt die echte und wirkungsvolle Kommunikation in der Praxis.


Leistungsangebot ist nicht gleich Leistungsfokus


Bei der Eröffnung einer Praxis wird festgelegt, welche Leistungen angeboten werden. Dieses Angebot verändert sich mit der Zeit.

  • Neue Kompetenzen kommen hinzu.

  • Geräte werden angeschafft.

  • Mitarbeitende bringen weitere Schwerpunkte mit.

  • Manche Leistungen werden stärker nachgefragt, andere verlieren an Bedeutung.


Das ist normal.


Trotzdem bleibt die Kommunikation vieler Praxen erstaunlich statisch. Auf der Website stehen alle Angebote gleichwertig nebeneinander. Auf Social Media wird veröffentlicht, was gerade einfällt. Im sporadisch versandten Newsletter landen Informationen ohne Plan.


Das Ergebnis ist kein erkennbarer Schwerpunkt.


Patient:innen sehen vielleicht, was die Praxis alles macht. Sie verstehen aber nicht unbedingt, wofür die Praxis steht, was diese Leistungen bedeuten und ob sie für sie selbst relevant sind.


Genau hier liegt der Unterschied: Das Leistungsangebot zeigt die fachliche Breite. Der Leistungsfokus bestimmt, was davon gezielt sichtbar und verständlich wird.


Kommunikation beginnt nicht mit einem Redaktionsplan


Viele Praxen starten direkt bei der Umsetzung.


  • Was könnten wir nächste Woche posten?

  • Welches Thema passt in den Newsletter?

  • Welche Themen können wir zeigen?


Diese Fragen kommen zu früh. Vor der Contentplanung muss klar sein, was mit der Kommunikation erreicht werden soll. Das sind Fragen, die zuerst beantwortet werden sollen:


✳️ Welche Patient:innen möchten Sie ansprechen?


✳️ Welche Leistungen sind für diese Menschen besonders relevant?


✳️ Welche Angebote passen zur gewünschten Ausrichtung der Praxis?


✳️ Was soll stärker nachgefragt werden?


Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Inhalte entstehen und über welche Kanäle sie ausgespielt werden.


Ein Redaktionsplan ohne diese Grundlage beschäftigt zwar die Kanäle. Die Praxis wird dadurch aber nicht wirklich wahrgenommen. Denn solche Praxen gibt es bereits zu viele.


So finden Sie die richtigen Schwerpunkte für Ihr Leistungsangebot heraus


Nicht automatisch die neueste oder umsatzstärkste Leistung gehört kommunikativ nach vorne. Auch eine Leistung, die schon lange angeboten wird, ist nicht allein deshalb ein sinnvoller Schwerpunkt.

Für die Auswahl lohnt sich eine Betrachtung aus mehreren Perspektiven.


Welchen Nutzen hat die Leistung für Patient:innen?

Welches konkrete Problem löst die Leistung?

Hilft sie bei einer häufigen Belastung? Gibt sie Orientierung? Verbessert sie den Alltag? Kann sie Beschwerden vorbeugen oder frühzeitig erkennen?


Trägt sie zur wirtschaftlichen Stabilität der Praxis bei?

Wirtschaftliches Denken ist im Gesundheitswesen kein Tabu. Eine Praxis muss Löhne bezahlen, Räume finanzieren, Investitionen tragen und dem Team vernünftige Arbeitsbedingungen bieten.

Deshalb darf geprüft werden, welche Leistungen wirtschaftlich sinnvoll sind.


Das bedeutet nicht, Patient:innen etwas Unnötiges zu verkaufen. Es bedeutet, Leistungen zu fördern, die medizinischen Nutzen mit einer tragfähigen Leistungserbringung verbinden.


Wo liegt die fachliche Stärke der Praxis?

Welche Leistungen kann Ihre Praxis besonders gut anbieten?

Wo liegen Erfahrung, Spezialisierung und echte Kompetenz?


Eine Physiopraxis mit viel Erfahrung bei Kieferbeschwerden kann diesen Bereich gezielt ausbauen. Eine Hausarztpraxis mit etablierten Abläufen in der Langzeitbetreuung kann genau damit ein klares Profil schaffen.

Fokus bedeutet nicht, andere Leistungen zu streichen. Es bedeutet, besondere Stärken erkennbar zu machen.


Wie hoch sind Nachfrage und Entwicklungspotenzial?

Welche Leistungen werden bereits häufig nachgefragt?

Bei welchen Angeboten besteht Bedarf, obwohl sie bisher kaum gebucht werden?


Hinweise liefern nicht nur die bestehenden Termine. Auch Fragen am Telefon, Gespräche mit Patient:innen, Suchanfragen und Rückmeldungen des Teams zeigen, welche Themen relevant sind.


Eine Leistung kann wenig gebucht werden, weil kaum Bedarf besteht.

Sie kann aber auch wenig gebucht werden, weil fast niemand weiss, dass die Praxis sie anbietet.


Das ist ein entscheidender Unterschied.


Besonders interessante Schwerpunkte liegen häufig dort, wo Patientennutzen, fachliche Stärke und Wirtschaftlichkeit zusammenkommen.


Wie hoch ist der Aufwand für das Team?

Eine Leistung kann fachlich sinnvoll und wirtschaftlich attraktiv sein. Wenn sie aber intern unverhältnismässig viel Organisation verursacht, gehört auch das zur Analyse. Oder es ist der Anstoss, die Organisationsstruktur zu überdenken.


  • Wie hoch ist der administrative Aufwand?

  • Welche Räume oder Geräte werden benötigt?

  • Wie viele Personen sind am Ablauf beteiligt?

  • Passt die Leistung in den Praxisalltag?


Nicht jede Leistung muss bei allen Kriterien gleich stark abschneiden. Entscheidend ist das Gesamtbild.


Mehrere bunte Wäscheklammern liegen links ungeordnet auf einem leuchtend gelben Hintergrund, während rechts einige Wäscheklammern in kleinen, geordneten Gruppen stehen; oben rechts steht der Schriftzug „SYSTEM STATT CHAOS“ in blau-grüner Schrift

Eine Leistung braucht mehr als einen Post


Eine durchdachte Praxiskommunikation entsteht nicht mit einem einzelnen Social-Media-Beitrag.


Selbst ein sehr guter Post verschwindet schnell wieder. Viele Menschen sehen ihn gar nicht. Andere nehmen ihn wahr, beschäftigen sich aber erst Wochen später mit dem Thema.


Deshalb braucht es mehrere Berührungspunkte.


Wenn die Ziele, die Zielgruppe und die Schwerpunkte feststehen, geht es ans Eingemachte und eine Kommunikationsstrategie entsteht.


Dann geht es in einem vier- bis sechswöchigen Rhythmus nach diesem Kommunikationsmuster weiter:


Eine ausgewählte Leistung wird im Laufe der festgelegten Zeit auf unterschiedlichen Kanälen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet:


  • Für wen ist die Leistung sinnvoll?

  • Welches Problem greift sie auf?

  • Wie läuft die Behandlung oder Beratung ab?

  • Welche Unsicherheiten bestehen häufig?

  • Was müssen Patient:innen vor dem Termin wissen?

  • Welche Missverständnisse gibt es?

  • Und viele weitere.


Wiederholung gehört ausdrücklich dazu. Nicht mit denselben Worten. Aber mit derselben klaren Botschaft aus verschiedenen Blickwinkeln.

So wird eine Leistung nicht nur erwähnt. Ihr Nutzen wird nach und nach verständlich.


Damit diese Kommunikation im Praxisalltag regelmässig und konsistent umgesetzt werden kann, braucht es eine klare Struktur. Genau dabei unterstützt ein individuelles Content System für Praxen.


Jeder Kanal übernimmt eine andere Aufgabe


Die Website schafft die Grundlage

Auf der Website wird die Leistung ausführlich erklärt. Dort finden Patient:innen Informationen zu Nutzen, Zielgruppe, Ablauf, möglichen Kosten und Terminvereinbarung.


Eine gute Leistungsseite vertieft das Interesse und schafft Vertrauen. Lesen Sie dazu meinen Beitrag Warum Leistungsseiten auf Praxiswebsites oft keine Anfragen bringen.


Das Google Business Profil unterstützt die lokale Auffindbarkeit

Das Google Business Profil hilft dabei, Leistungen bei der lokalen Suche sichtbar zu machen.


Aktuelle Beiträge, klar erfasste Angebote und passende Verlinkungen erreichen Menschen, die bereits nach einer Praxis oder einer konkreten Leistung in ihrer Nähe suchen.


Website und Google Business Profile bilden gemeinsam die Grundlage dafür, dass Ihre Praxis gefunden und richtig eingeordnet wird. Mehr dazu erfahren Sie unter Sichtbarkeit steigern.


Social Media schafft Aufmerksamkeit

Social Media greift einzelne Fragen, Alltagssituationen oder Missverständnisse auf.


Eine Hausarztpraxis kann erklären, wann eine reisemedizinische Beratung sinnvoll ist. Eine Physiopraxis kann zeigen, bei welchen Beschwerden eine bestimmte Behandlung infrage kommt. Eine Ernährungsberatung kann einen verbreiteten Irrtum rund um Blutzucker oder Verdauung einordnen.

So entsteht Interesse, bevor jemand gezielt nach einer Leistungsseite sucht.


Der Newsletter vertieft

Ein Newsletter erreicht Menschen, die die Praxis bereits kennen. Hier darf ein Thema ausführlicher behandelt werden. Die Praxis kann Wissen vermitteln, häufige Fragen beantworten oder auf saisonal relevante Leistungen aufmerksam machen.


YouTube kann komplizierte Behandlungen erklären

Videos eignen sich besonders für erklärungsbedürftige Behandlungen, Übungen oder Abläufe.


Gerade Physiotherapeut:innen können Inhalte bereitstellen, auf die Patient:innen auch nach dem Termin zurückgreifen können.


Nicht jede Praxis braucht jeden Kanal. Entscheidend ist, dass die ausgewählten Kanäle zusammenspielen. Der Kanal ist dabei nie Selbstzweck. Er muss zur Zielgruppe, zur Leistung und zu den verfügbaren Ressourcen passen.


Zusammenspiel der Kanäle

Ein Beispiel aus einer Hausarztpraxis


Nehmen wir eine Hausarztpraxis mit folgenden Leistungen:

Hausarztmedizin, Check-ups, Impfungen, Reisemedizin, Infusionen Ernährungsberatung etc.


Alle Leistungen bleiben Teil des Angebots. Nach der Analyse entscheidet die Praxis jedoch, Check-ups und Reisemedizin während der kommenden Wochen stärker zu kommunizieren.


Warum?


Beide Leistungen bieten einen klaren Nutzen. Die fachliche Kompetenz ist vorhanden. Die Abläufe sind etabliert. Es besteht Nachfrage. Und beide Bereiche passen zur gewünschten Ausrichtung der Praxis. Auch wirtschaftlich sind diese Themen attraktiv.


Nun greifen die Kanäle ineinander.


Auf der Website entstehen verständliche Leistungsseiten. Das Google Business Profil weist saisonal auf die reisemedizinische Beratung hin.


Social Media beantwortet typische Fragen zu Impfungen, Reisevorbereitung und Check-ups.


Der Newsletter vertieft das Thema Prävention.


Plötzlich wird nicht mehr wahllos über verschiedene Angebote gesprochen. Eine klare Botschaft wird über mehrere Wochen aufgebaut.

Genau das ist Leistungsfokus.


Leistungsfokus bedeutet nicht, andere Angebote zu verstecken


Ein häufiger Einwand lautet: Werden die übrigen Leistungen dadurch nicht unsichtbar?


Nein.


Ein Fokus ersetzt nicht das gesamte Angebot. Er ordnet es.


Alle Leistungen dürfen auf der Website auffindbar bleiben. In der aktiven Kommunikation erhalten aber einige davon bewusst mehr Raum.


Das ist in einem Gespräch nicht anders. Sie können nicht alles gleichzeitig gleich ausführlich erklären.


Wer versucht, jederzeit jeder Leistung dieselbe Aufmerksamkeit zu geben, erzeugt keine Vollständigkeit. Er erzeugt Unklarheit.


Meine klare Meinung


Praxiskommunikation beginnt nicht mit Canva, einem Redaktionskalender oder der Frage, was nächste Woche veröffentlicht wird.


Sie beginnt damit, Fragen zu stellen und diese zu beantworten. Wer diese Fragen überspringt, veröffentlicht vielleicht regelmässig Inhalte. Eine klare Wahrnehmung baut er damit noch lange nicht auf.


Fazit: Erst analysieren, dann kommunizieren


Das Leistungsangebot zeigt, was Ihre Praxis alles kann. Der Leistungsfokus zeigt, wofür sie steht. Dazwischen liegt eine strategische Entscheidung.


Denn nicht jede Leistung muss gleich stark kommuniziert werden. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Patientennutzen, fachlicher Stärke, Wirtschaftlichkeit, Nachfrage, Aufwand und Entwicklungspotenzial.

Erst danach beginnt die Kommunikation.


Über die Website, das Google Business Profil, Social Media, den Newsletter oder passende Videoformate.


Nicht als einzelne Aktion. Sondern mit wiederkehrenden, aufeinander abgestimmten Berührungspunkten.


Kommunikation kann alles ein wenig beleuchten. Oder sie kann bewusst Schwerpunkte setzen. Ich empfehle klar die zweite Variante.


Ihr nächster Schritt


Welche Leistungen in Ihrer Praxis sollten kommunikativ mehr Raum erhalten?


Genau diese Frage kläre ich mit Ihnen bei der Schärfung Ihres Leistungsfokus. Wir analysieren Ihr Angebot aus mehreren Perspektiven und legen fest, welche Leistungen zu Ihrer Zielgruppe, Ihrer fachlichen Ausrichtung und Ihren wirtschaftlichen Zielen passen.


So wissen Sie nicht nur, worüber Sie kommunizieren könnten. Sie wissen, worüber Sie kommunizieren sollten.



FAQ


Muss eine Praxis weniger Leistungen anbieten, um einen klaren Leistungsfokus zu haben?

Nein. Der Leistungsfokus verändert nicht zwingend das Angebot. Er legt fest, welche Leistungen besonders sichtbar und verständlich kommuniziert werden.


Wie lange sollte eine Leistung kommunikativ im Mittelpunkt stehen?

Ein Zeitraum von vier bis sechs Wochen hat sich durchgesetzt. So kann die Leistung über mehrere Kanäle und aus verschiedenen Perspektiven erklärt werden, ohne dass die Kommunikation beliebig wirkt.



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